Interview und Musik mit Volker (Perfect by Ed Sheeran)

Dr. Volker Lutz

Bereichsleiter Systemtechnik am Institut für Textiltechnik der RWTH Aachen University

Dr. Volker Lutz begann bereits mit 5 Jahren mit dem Klavierunterricht. Neben seiner Teilnahme an „Jugend musiziert“ begeisterte er sich auch schon früh für die Wissenschaft und nahm ebenfalls an „Jugend forscht“ teil. Dem Klavier folgte mit 12 Jahren die Gitarre und dann auch schon bald die erste Punk Rock Band „Bloink110“ im Alter von 14 Jahren. Nach zwei Jahren Physikstudium und der Gründung der Coverband „LackiSeven“ fing er 2007 das Studium für Wirtschaftsingenieurswesen an der RWTH Aachen University an und beendete innerhalb der nächsten 10 Jahre nicht nur dies erfolgreich, sondern promovierte auch noch im Bereich der Fügetechnologien am Institut für Textiltechnik der RWTH Aachen University zum Dr.-Ing. und hat heute die Funktion des Bereichsleiters Systemtechnik am Institut inne. Im folgenden Interview beantwortet er Fragen zu Zukunftsfeldern für Jungunternehmer im Bereich Smart Textiles und welche Parallelen er zwischen der Musik und dem Ingenieurswesen sieht.

perfect ed sheeran

Perfect – Ed Sheeran (cover by fabscriptor feat. Volker)

1. Frage: Volker, bei dir ist ja einiges in den letzten Wochen und Monaten passiert. Geburt deines Kindes, Dissertation verfasst und Doktorprüfung erfolgreich hinter dir gelassen. Ganz nebenbei hast du noch einen ganzen Bereich der Fügetechnologien und Smart Textiles aufgebaut. Welchen Tipp hast du an junge Unternehmer, wie man dabei die Struktur nicht verliert und wie hat dir Musik bei dieser turbulenten Zeit geholfen?

Volker: Die Gefahr ist, dass man dabei die Musik gerne vernachlässigt und das passiert leider auch oft. Wie oft hat mich ein Kollege gefragt, ob wir nicht mal wieder Schrebbeln (ungeplantes Musikmachen) können. Meistens habe ich dann abgelehnt, da entweder noch was für die Dissertation zu tun war oder die Familie zu Recht Aufmerksamkeit braucht, da man eh schon den ganzen Tag unterwegs war oder mehrere Wochen auf Dienstreise ist.

Wenn ich doch mal den Moment gefunden habe die Gitarre in die Hand zu nehmen oder auf einem Keyboard zu klimpern, dann waren das richtige Entspannungsmomente. Zum Verabreden hat es leider nicht gereicht in den letzten Monaten, aber das habe ich mir fest vorgenommen für dieses Jahr.  Ich bin davon überzeugt, dass jeder einen Ausgleich braucht und ich finde diesen Ausgleich neben dem Sport unter anderem in der Musik.

2. Frage: Was die meisten Leute nicht wissen ist, dass du eigentlich Musik studieren wolltest bevor du dich dann für das Wirtschaftsingenieurswesen entschieden hast. Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen der Musik und dem Ingenieurswesen? Wenn ja, dann welche?

Volker: Ich glaube eine wesentliche Gemeinsamkeit ist der logische, mathematische Aufbau von Systemen in der Musik, wie z.B. Skalen. Darüber hinaus schadet Ingenieuren auch ein gewisses Maß an Kreativität nicht, die für mich immer ein wesentlicher Teil der Musik ist. Erlaubt ist was gefällt.

Das mit dem technischem Studium ist eine Übernachtentscheidung gewesen bei mir. Ich habe mich während meines Abis bereits auf die Aufnahmeprüfung für Musik in Münster vorbereitet. Außerdem war ich damals bei einem erfolgreichem Musik- und Filmmusikproduzenten in München. Dieser Besuch und die ehrliche Einschätzung haben mir die Augen geöffnet. Das „jeden Tag von der Hand in den Mund leben“ wollte ich einfach nicht. Und so habe ich mich entschieden die Musik als Hobby zu behalten. Während des Studiums habe ich dann sehr viel Musik gemacht und auch wieder eine Liveband gegründet, die es noch heute gibt (zwar deutlich weniger als früher). Neben der Livemusik habe ich vor allem eigene Musik produziert und teilweise etwas Geld dazu verdient durch kleinere Aufträge.

3. Frage: Durch deine Arbeit am Institut hast du viel mit jungen Leuten zu tun. Wenn einer deiner Studenten im Bereich Fügetechnologien ein Unternehmen gründen wollte, was wäre der Bereich der Fügetechnologie und die Branche, die du am zukunftsträchtigsten siehst?

Volker: Fügen von elektronischen Komponenten mit Textilien. Gemeinsam mit unseren Partnern hat sich der Begriff „Textronics“ geprägt. Ich finde der Begriff passt sehr gut. Wer es schafft hier erste markfähige, massentaugliche Produkte zu etablieren, kann viel Geld verdienen.

4. Frage: Im Digital Capability Center in Aachen (http://www.dcc-aachen.com) sind eure Fügetechnologien aufgebaut. Unteranderem sieht man hier auch verschiedene 3D-Druck-Verfahren. Was hat es mit 3D-Druck und Textil auf sich und welche Zukunftsfelder gibt es hier?

Volker: Mittels 3D-Druck kombinieren wir die unterschiedlichen mechanischen Eigenschaften von Textilien und festen Kunststoffen. Wird ein elastisches Textil vorgespannt und mit einem steifen Gerüst aus Kunststoff bedruckt so wird es sich beim Entspannen verformen. Sind die Materialien zusätzlich abhängig z.B. auf Temperatur oder Feuchtigkeit so findet diese Verformung zeitlich statt. Wir können so Textilien konstruieren, die z.B. bei Sonne selbständig öffnen oder schließen. Ziemlich cool. Wir nennen das dann 4D-Textil.

5. Frage: Du kommst als Bereichsleiter auch viel in Europa und der Welt herum. Siehst du aus deiner Erfahrung Unterschiede in den einzelnen Ländern was die Unterstützung junger Menschen bei der Gründung eines Unternehmens angeht?

Volker: Ich glaube, dass wir in Deutschland bereits eine deutlich bessere StartUp Kultur haben, als noch vor 10 Jahren. Für die Gründung gibt es mittlerweile sowohl inhaltliche als auch finanzielle Unterstützung. Nach der Gründung wird es dann aber meistens dünn. Junge Unternehmen müssen meistens fürs Überleben kämpfen. Wenn man diese Phase überstanden hat gibt es für kleine und Mittelständische Unternehmen wieder Fördermöglichkeiten. Eine StartUp Kultur wie in Kalifornien haben wir zwar nicht, aber vielleicht müssen wir das auch nicht unbedingt. Wenn ich in Korea bin fällt mir oft auf, dass Unternehmen schnell gegründet werden und auch je nach Produkt schnell erfolgreich sind. Ein Grund hierfür ist, dass das in den Markt bringen von Produkten durch die oftmals nicht so strengen Gesetze viel leichter geht. Auf diese Weise können Unternehmen schneller Umsatz generieren und anschließend die Produkte für internationale Zulassungen verbessern.

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